Dishes

Rot wie der Faden…

Wir alle tragen bedeutende und scheinbar unbedeutende Ereignisse mit uns durch das Leben. Es sammelt sich einiges an mit den Jahren – wir nennen es ‘Erfahrungen’ – im positiven und negativen Sinn. In der Flut von Eindrücken und Erlebnissen gibt es ganz spezielle Ereignisse, an die wir uns – sehr lebendig – ein ganzes Leben lang erinnern. Obwohl solche Spuren nicht selten schon in der Kindheit entstehen, sehen wir jede Einzelheit der Situation immer noch kristallklar vor unserem inneren Auge. Sei es eine Schelte eines Nachbarn, ein unbedachtes Wort der Eltern, ein Sturz mit dem Fahrrad oder unerfüllte Erwartungen bei einem Date. Natürlich auch positive Begebenheiten wie die Musik beim ersten Kuss, ein Wiedersehen mit einem guten Freund in einer Umgebung die nie vergessen gehen kann…

Die Liste könnte unendlich lang sein – die Geschichten sind vielfältig wie wir alle. Sie prägen uns, sie machen uns aus – sie formen unsere Ecken und Kanten. Sie ziehen sich als roter Faden durch unser Leben. Warum sich scheinbar kleine Ereignisse nachhaltiger in der Erinnerung festsetzen als etwas, das vielleicht mehr Bedeutung und Beachtung verdient hätte, bleibt unbeantwortet. Auf diese psychologisch geprägte Frage gibt Dishes keine Antwort. Diese Arbeit versucht vielmehr die individuelle Erlebnis-Struktur jeder und jedes Einzelnen aufzuzeichnen.

Denke an…

Die roten Linien auf dem Porzellan können als rote Spuren, die bei Verletzungen entstanden, oder als roter Faden, der uns durch das Leben begleitet, gelesen werden. Kinder die einander sehr plastisch erzählen können, wo sie sich geschnitten haben, wie ein blauer Fleck entstanden ist und an welcher Tischkante sie den Kopf angestossen haben, weckten das Interesse des Künstlers an diesem Thema. Selbstverständlich tragen wir alle diese Geschichten mit uns herum, haben aber vielleicht nicht den Mut oder die Musse darüber zu reden.Auch sieht man den meisten Menschen nicht an, wie tiefe Spuren ein Ereignis hinterlassen hat. Letztlich bleibt der Mensch – zumindest äusserlich – derselbe. Über das Erlebte der Menschen mehr zu erfahren, war aber nicht der primäre Ausschlag für diese Arbeit. Vielmehr will der Künstler aufzeigen, wie Individuell alle Geschichten sind. Piet Blanken ist auf verschiedenste Menschen zugegangen mit der Bitte, eine Tasse und einen Unterteller, des immer selben Geschirrs, fallen zu lassen. Während diesem Moment des Loslassens sollten die Gefragten an ein, in ihrem Leben, prägendes Ereignis denken. Den so entstandenen Scherbenstücken hat der Künstler die Bruchkanten mit rotem Marker eingefärbt, um anschliessend die Scherben wieder zusammen zu fügen. Es entsteht so wieder das ursprüngliche Objekt, gekennzeichnet mit feinen roten Linien, die kontrastreich aufzeigen, wo Bruchstellen entstanden sind. Jede Tasse, jeder Teller ist dann wieder als solches erkennbar, aber alle tragen ein ganz unterschiedliches Muster. Wie aufschlussreich das Bruchmuster über die Art und Intensität der Ereignisse ist, bleibt ein Teil der Interpretation einer jeden, eines jeden Einzelnen die bereit waren, bei Dishes mitzuwirken.

Ein Leben lang…

 Die Arbeit zeigt 82 Tassen und Unterteller. Die Anzahl der Objekte entstand nicht zufällig. Sie entspricht der durchschnittlichen Lebenserwartung aller Schweizerinnen und Schweizer im Jahre 2017.

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